Selbstgesteuertes Lernen am ASG - SegeL

Wie lernen Kinder, ihr eigenes Lernen zu steuern?
Schule soll Schülerinnen und Schüler nicht nur mit Wissen und fachlichen Kompetenzen ausstatten. Sie soll sie auch dazu befähigen, zunehmend selbstständig und verantwortungsvoll mit neuen Herausforderungen umzugehen. Denn Lernen endet nicht mit dem Schulabschluss: Wer auch in Zukunft erfolgreich lernen möchte, muss wissen, wie man sich Ziele setzt, Aufgaben plant, sich motiviert, mit Schwierigkeiten umgeht und den eigenen Lernweg reflektiert.
Genau hier setzt unser Konzept SegeL – Selbstgesteuertes Lernen an.
Im Mittelpunkt steht die Entwicklung von Selbstregulationskompetenzen. Gemeint ist damit die Fähigkeit, das eigene Lernen und Handeln bewusst zu steuern. Schülerinnen und Schüler sollen zunehmend in der Lage sein, sich ein Ziel zu setzen, einen Weg dorthin zu planen, ihre Arbeit zu beobachten und anschließend zu überlegen: Was hat gut funktioniert? Wo brauche ich noch Unterstützung? Was mache ich beim nächsten Mal anders?
Dieser Kreislauf aus Ziel setzen – planen – handeln – beobachten – reflektieren – anpassen begleitet die Kinder durch ihren SegeL-Alltag. Selbstregulation wird dabei nicht einfach vorausgesetzt, sondern Schritt für Schritt gelernt und eingeübt.
Selbstständig lernen – aber nicht allein
Der Begriff „selbstgesteuertes Lernen“ bedeutet bei uns ausdrücklich nicht, dass Kinder sich selbst überlassen werden. Selbstständigkeit entsteht nicht dadurch, dass Erwachsene sich zurückziehen. Sie entsteht durch klare Strukturen, Anleitung, Rückmeldung und zunehmende Freiräume.
In Deutsch, Mathematik und Englisch wechseln sich deshalb gemeinsame Input-Phasen mit SegeL-Lernzeiten ab. Inhalte werden gemeinsam besprochen und erklärt. Aber Schülerinnen und Schüler arbeiten auch zunehmend eigenständig an ihren Lernzielen. Die Lehrkräfte begleiten diesen Prozess, unterstützen einzelne Kinder oder kleine Lerngruppen und geben individuelle Rückmeldungen.
Ein wichtiges Werkzeug dafür sind unsere Lernlandkarten in Moodle. Sie führen Schritt für Schritt durch die jeweiligen Themen und verbinden Erklärungen, Texte, Übungen, Aufgaben und Möglichkeiten zur Selbstkontrolle. So wird für die Kinder sichtbar, wo sie gerade stehen und welche Lernschritte noch vor ihnen liegen.
Am Ende einer Lernlandkarte steht ein Gelingensnachweis. Dieser ist bewusst unbenotet. Er soll den Schülerinnen und Schülern vor allem zeigen, ob sie ein Lernziel bereits sicher beherrschen. Erst wenn ein Lernziel erreicht ist, geht es weiter. Fehler und Schwierigkeiten werden damit nicht als Scheitern verstanden, sondern als Hinweise darauf, was als Nächstes gelernt, geübt oder noch einmal wiederholt werden sollte.
Selbstregulation muss man lernen
Damit die Kinder diese Form des Lernens nicht einfach „können müssen“, sondern tatsächlich erlernen, beginnt SegeL mit einem systematischen Selbstregulationstraining.
Bereits in den ersten Schulwochen setzen sich die Schülerinnen und Schüler damit auseinander, wie gutes Lernen funktioniert. Sie üben beispielsweise, realistische Ziele zu formulieren, ihre Arbeit zu planen, sich selbst zu motivieren, auch bei Schwierigkeiten dranzubleiben, mit Fehlern umzugehen und den eigenen Lernprozess zu reflektieren.
Ein zentrales Instrument ist dabei der Wochenplaner, unser Logbuch. Zu Beginn einer Lernzeit überlegen die Kinder, was sie erreichen möchten und wie sie ihre Arbeitszeit nutzen wollen. Anschließend überprüfen sie, ob sie ihr Ziel erreicht haben und was ihr nächster Schritt sein kann. So wird Selbstregulation zu einer alltäglichen Lernroutine.
Lernen braucht passende Bedingungen

Selbstregulation bedeutet auch, zunehmend wahrzunehmen, unter welchen Bedingungen man selbst gut lernen kann.
Deshalb möchten wir am ASG Lernräume schaffen, die unterschiedliche Formen des Lernens ermöglichen. Nicht jedes Kind arbeitet am besten auf dieselbe Weise – und auch ein Kind braucht je nach Aufgabe unterschiedliche Bedingungen.
Mal ist konzentriertes Arbeiten an einem Einzelplatz sinnvoll, mal der Austausch am Gruppentisch, mal ein Stehtisch oder ein ruhiger Rückzugsort. Auch Bewegung kann Teil eines guten Lernprozesses sein. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und die vorhandenen Lernmöglichkeiten sinnvoll zu nutzen.
Damit verbindet sich SegeL mit unserem Ansatz der Bewegten Schule: Lernen darf sich bewegen. Wir gestalten unsere Schule zunehmend als Lern- und Lebensraum, in dem Kinder unterschiedliche Arbeitsweisen ausprobieren und herausfinden können, was ihnen hilft, konzentriert und erfolgreich zu lernen.
Persönliche Begleitung durch Coaching
Ein weiterer wichtiger Bestandteil von SegeL ist das regelmäßige Lerncoaching.
Jedes Kind wird von einer festen Coaching-Lehrkraft begleitet. Dabei geht es nicht in erster Linie um zusätzliche Fachinhalte, sondern um den persönlichen Lernprozess: Wo stehe ich? Was gelingt mir? Wo liegen Schwierigkeiten? Welche Strategie könnte mir helfen?
So erhalten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, ihr eigenes Lernen bewusst zu betrachten und gemeinsam mit einer erwachsenen Bezugsperson nächste Schritte zu entwickeln. Gleichzeitig erfahren sie: Ich trage Verantwortung für mein Lernen – aber ich muss diesen Weg nicht allein gehen.
Gemeinsam lernen und eigene Ideen verwirklichen
Selbstgesteuertes Lernen bedeutet bei uns außerdem nicht, dass alle Kinder allein vor ihren Aufgaben sitzen. Gemeinsam lernen und sich gegenseitig unterstützen sind wichtige Bestandteile unseres Konzepts.
Besonders deutlich wird dies im ZukunftsDay. Im zweiten Halbjahr in Klasse 5 und im ersten Halbjar in Klasse 6 arbeiten die Schülerinnen und Schüler in projektorientierten Lernphasen an eigenen Fragestellungen und Ideen. Sie planen ihre Projekte, recherchieren, übernehmen Verantwortung, arbeiten im Team, setzen sich eigene Zwischenziele und reflektieren ihren Arbeitsprozess.
Damit können sie die im SegeL-Unterricht entwickelten Fähigkeiten in einem ganz anderen Zusammenhang anwenden: aus einer eigenen Idee ein konkretes Projekt machen und es Schritt für Schritt verwirklichen.
Unser Ziel: Vertrauen in das eigene Lernen
SegeL ist für uns deshalb mehr als eine andere Form der Unterrichtsorganisation. Wir möchten Kinder dazu befähigen, zunehmend Verantwortung für ihren eigenen Lernweg zu übernehmen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.
Sie sollen erfahren, dass Lernen ein Prozess ist, dass Fehler dazugehören, dass Anstrengung sich lohnt und dass man sich weiterentwickeln kann.
Unser Ziel ist ein junger Mensch, der nicht nur weiß, was er gelernt hat, sondern auch wie er lernen kann. Oder, ganz einfach gesagt:
„Ich weiß, was ich kann. Ich weiß, wie ich weiterlernen kann. Und ich traue mir zu, den nächsten Schritt zu gehen.“
Das ist für uns SegeL.