Poetische Verschmelzungen im Alten Schloss

Gewaltige Bildsprache und kreative Vielfalt bei Kunstausstellung zum Stadtfest von Schülern des ASG
Das Adolf-Schmitthenner-Gymnasium (ASG) und die Stadt rücken noch enger zusammen. Musikalisch treten bereits seit längerer Zeit immer wieder ASG-Bands bei örtlichen Veranstaltungen auf. Nun scheint es aber auch künstlerisch „gematcht“ zu haben, denn die Ausstellung von Schülerinnen und Schülern des Leistungskurses Kunst im Alten Schloss begeisterte im Rahmen des Stadtfestes die Besucher. Musikalisch schuf natürlich auch das Gymnasium mit seinem Saxofon-Quartett einen würdevollen Rahmen für die Vernissage. „Körper, Raum und Bewegung“, hießen die Stichworte laut Lehrerin Franziska Tendel, die bei der Vernissage nur kurz ein paar einleitende Worte sprach. Denn im Mittelpunkt standen die Videoperformances und daraus resultierende Fotografien, Bilder, Skulpturen und Objekte der jungen Künstlerinnen und Künstler Larissa Braun, Hanna Busch, Alina Fischer, Malena Haffelder, Milena Sophie Hunger, Seraphine Lindemann, Amelie Michna, Rosa Nella Neumann, Önsal Tugcenaz, Marques Marc Santos, Evita Stang, Ayliss Weigandt und Theo Henri Wirth.
Und es war beeindruckend zu sehen, mit welcher Kreativität und Vielfalt sich die Schüler mit unterschiedlichen Materialien, Techniken und Medien auseinandergesetzt und mit ihrem Schaffensprozess ganz besondere Werke kreiert haben. Beleuchtete Wachsfiguren in höhlenartigen Kartonagen oder anspruchsvolle Drucke über das Mythologie-Thema „Apollo und Daphne“. Inspiriert von der bekannten Künstlerin Rebecca Horn und ihren Installationen, werden besondere „Figuren“ auf der Leinwand erkennbar, beispielsweise das „Ikarus-Thema“, besondere Faltenwürfe von übergroßen Gewändern, Kronen aus Glanzpapier, zerbrechliche Konstruktionen, rhythmisch schlagende „gestickte“ Flügel oder tanzende Schatten.
Die teilweise traumtänzerisch wirkenden Kostüme, die auf surreal anmutende Weise den Körper erweitern und verfremden, ihn aber gleichzeitig behindern und verwundbar machen, veranschaulichen das Innere für die Außenwelt. Gefühle und Gedanken werden in eine besondere und teilweise irritierende Bildsprache verwandelt. Es ist fast eine poetische Verschmelzung von Mensch und Objekt, Bewegung und Raum, Material und Gedanke.
Fotos aus diesen Videos konnten die zahlreichen Besucher in der Ausstellung entdecken, und sie sparten nicht mit Lob. „Ich habe hier im Alten Schloss schon viele Ausstellungen gesehen, aber ich bin von diesen Werken der jungen Künstler total begeistert“, sagte Edith Bräumer. Sie würde diese Werke auch gerne an anderen Orten im Kraichgau sehen. Auch die anderen Gäste, darunter Eltern, Freunde und einige Kunstinteressierte aus der Region, zeigten sich beeindruckt von der Kreativität und dem Mut der Nachwuchskünstler.
Viel Anerkennung gab es auch für die Kohlekreidebilder der 6a zum Thema „Schiffe in Seenot“. Eine „krasse Leistung“, urteilte Tendel über die Bilder. Und Bürgermeister Thomas Seidelmann hofft, „dass diese Ausstellung des ASG nicht die letzte gewesen ist“. Am Ende gab es viel Beifall, und so bleibt die Ausstellung nicht nur ein bloßes Kunstprojekt, sondern auch ein inspirierendes Beispiel dafür, wie zeitgenössische Kunst im Klassenzimmer lebendig werden kann.
(Mit freundlicher Genehmigung der RNZ, Text und Bild: Bertold Jürriens)