„In 80 Tagen um die Welt“ – eine Reise der Unterstufentheater-AG

Warum machen wir an unserer Schule eigentlich Theater – anstatt nur Grammatikregeln zu büffeln oder Matheformeln zu pauken?
Eine eindrucksvolle Antwort darauf lieferte die Unterstufentheater-AG unter der Leitung von Manja Klebe, Alicia Schork und Franziska Tendel am 8. und 9. Juli 2025 mit ihrer Adaption von „In 80 Tagen um die Welt“. Die Schüler:innen nahmen das Publikum mit auf eine turbulente Reise zurück in das Jahr 1872. Das ungleiche Duo des gelassenen Phileas Fogg und des quirligen Passepartout, gespielt von Nicolas Schulz und Arvid Wannemacher, trat wegen einer Wette eine abenteuerliche Reise um die Welt an. Unter großem Zeitdruck durchquerten sie verschiedenste Länder und gerieten von einer Katastrophe in die nächste. Von Schwierigkeiten beim Kofferpacken zu endlosem Warten am Bahnhof, dem ausgelassenen Tanz mehrerer Matrosen auf einem Schiffsdeck und dem skurrilen Verhalten von Passagieren in einem Zug – auf der Bühne wurde die Vielfalt des Begriffs „Reisen“ dargestellt.
Mit Standbildern berichtete der kommentierende Erzähler, gespielt von Noah Weber, von Passepartouts Fauxpas, einen indischen Tempel mit Schuhen zu betreten. Für Staunen sorgte ein Wellpappeelefant, der im Dschungel hinter einer Schattenwand zum Leben erweckt wurde. Und schließlich trafen die Reisegefährten auf die tapfere Aouda, gespielt von Helen Schulz, die sich – im Unterschied zu Jules Vernes Vorlage – selbst aus einer Fabrik mit schlechten Arbeitsbedingungen befreit hatte. Gemeinsam überstanden sie auf der Überfahrt nach San Francisco einen spektakulären Stockkampf gegen eine Piratenbande. Eine einsturzgefährdete Brücke wurde „voll Karacho“ überquert, woraufhin eine irrtümliche Festnahme der drei Freunde durch den eifrigen Meisterdetektiv Fix, gespielt von Lisa Scharbach, die Reise erneut verzögerte. Gefangen in den langsamen Mühlen der Bürokratie lief der Reisegruppe wortwörtlich die Zeit davon und mit dem Turmschlag der Westminster Abbey wähnten die Freunde sich zu spät. Ein zweiter Wettlauf gegen die Zeit startete mit der rettenden Erkenntnis, dass die Gruppe bei der Umrundung der Welt einen Tag gewonnen hatte. Nach einem turbulenten Endspurt mit englischen „Teepausen-Klebern“ und Herrn Webers traditionellem Weihnachtschor schafften die drei Freunde es gerade noch rechtzeitig zum Gentleman-Club und gewannen mit viel Applaus des Publikums die Wette.
Warum spielen wir also Theater, anstatt nur Grammatik und Matheformeln zu pauken? Was auf der Bühne vielleicht einfach und verspielt erscheint, ist das Ergebnis eines langen Prozesses, in dem die Schüler*innen partizipativ involviert waren. Und zu diesem gehören das Erlernen und Ausbauen einiger grundlegender Fähigkeiten – darunter Team- und Konfliktfähigkeit, Empathie und Perspektivwechsel, die Übernahme von Verantwortung und Selbstständigkeit, Frustrationstoleranz sowie Mut und Risikobereitschaft, Kreativität, Selbstausdruck und Körperbewusstsein. Was die Schüler:innen auf der Bühne gezeigt haben, ist das Ergebnis ganzheitlichen Lernens, das auch mit Blick auf die
Herausforderungen des 21. Jahrhunderts einen immer größeren Stellenwert im schulischen und außerschulischen Bereich einnimmt und das Theaterspielen zu einem der essentiellen demokratiebildenden Instrumente unserer Bildungsarbeit macht.
Ein besonderer Dank geht an die Technik-AG, die mit ihrem Können nicht nur tatkräftig bei der Umsetzung half, sondern die Aufführung auch durch eigene kreative und unterhaltsame Ideen bereicherte und so hoffentlich immer mehr zum festen Bestandteil der Theaterensembles am ASG wird.