Alkoholprävention

Drei Flaschen Schnaps am Tag waren nix

Beeindruckender Vortrag zur Alkoholprävention mit Frank Milbich am Adolf-Schmitthenner-Gymnasium.

Frank Milbich lieferte einen schonungslosen Blick auf sein Leben als Alkoholiker. Er erzählte aber auch, wie er diese Sucht erfolgreich bekämpft hat. Foto: Berthold Jürriens

Von Berthold Jürriens

Neckarbischofsheim. "Wir haben wieder die Nacht zum Tag gemacht. Ich nehm’ mein Frühstück abends um 8. Gedanken fließen zäh wie Kaugummi. Mein Kopf ist schwer wie Blei, mir zittern die Knie." Grönemeyers Textzeile aus seinem Lied "Alkohol" würde Frank Milbich blind unterschreiben.

Doch der seit fast 17 Jahren trockene Alkoholiker bevorzugt an diesem Vormittag im Adolf-Schmitthenner-Gymnasium (ASG) eine andere Wortwahl zum Thema Alkoholsucht. Sein Besuch am ASG wurde vom Freundeskreis des Gymnasiums und dem Verein "Prävention Rhein-Neckar" ermöglicht. Keine Metaphern, keine Schönrednerei, sondern ungeschminkt, ehrlich und direkt erzählt Milbich den Neuntklässlern von der "Hölle auf Erden", die er wie durch ein Wunder überlebt hat.

"Saufen, Schlafen, Erbrechen", so sah sein Tagesrhythmus lange Zeit aus, als er "drei Mal am Tag einen Rausch hatte" und täglich drei Flaschen Schnaps konsumierte. "In der Handballjugend fing alles an", erzählt er und fordert die Jugendlichen immer wieder zum genauen Zuhören auf. "Damit euch nicht so etwas passiert." Der junge, hochveranlagte Handballspieler, der mit den Roth-Brüdern zusammengespielt hatte, fühlte sich "als der Coolste", wenn er beim "Stiefeltrinken" der Beste war. "Am besten auf ex." Statt in jungen Jahren zum Probetraining für die Handball-Bundesliga zu gehen, machte er Party. Lange Zeit wollte der 1962 in Jöhlingen geborene Milbich sein Alkoholproblem nicht wahrhaben.

Schonungslos beantwortet er die Fragen der Schüler, zeichnet das Bild eines "Penners", der im Erziehungsurlaub jeden Tag eine Flasche Jägermeister geleert hatte, bevor seine Frau von der Arbeit nach Hause kam. Einmal hatte er seinen Sohn im Kinderwagen mitten im Winter wegen des Alkoholkonsums vor dem Discounter vergessen. "Dafür schäme ich mich heute noch."

Sein Sohn sei der Hauptgrund gewesen, dass er den Entzug gemacht hat, denn der Alkohol hatte längst seinen Körper zerstört: schlechte Leberwerte, eine entzündete Bauchspeicheldrüse und Entzündungen in der Magenschleimhaut. Ein Arzt hatte zu ihm im Jahr 2004 gesagt, dass er die Einschulung seines fünfjährigen Sohnes wohl nicht erleben wird. Seine Mutter hatte bereits alle Vorbereitungen für einen kontrollierten Entzug in einer Klinik getroffen, doch Milbich lehnte ab. "Ich wollte keine Medikamente, nicht ruhig gestellt werden."

Am 1. Januar 2005 schloss er sich erstmals in seine Wohnung ein und hängte in jedes Zimmer ein Bild von seinem Sohn als Motivation. "Es war mein erster trockener Tag." Die ersten sechs bis acht Wochen des kalten Entzugs bestanden aus Schwindelanfällen, Schmerzen, Schweißausbrüchen, Krämpfen und Lähmungserscheinungen. "Ich sah weiße Mäuse an den Wänden hochkrabbeln, und ich habe die Tapete mit meinen Fingernägeln zerkratzt vor lauter Qual", schildert er seine Erfahrungen, die er niemanden wünschen würde.

Die Schüler hören aufmerksam zu, auch als er von der Gruppe der Anonymen Alkoholiker spricht. "Täglich war ich bei denen. Fast ein halbes Jahr. Ohne diese Gespräche hätte ich es nicht geschafft." Seitdem habe er keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt, keine Schnapspralinen oder anderweitig Alkoholhaltiges. "Ich würde sofort rückfällig werden", weiß er und berichtet von Bekannten, denen es so ergangen ist. Der aktive Handballtrainer und Referent für Alkoholprävention, der seit vielen Jahren an Schulen und in Vereinen unterwegs ist, um über seine frühere Abhängigkeit vom Alkohol zu berichten, will kein Moralapostel sein, betont aber: "derjenige ist der Stärkere, der beim Mitsaufen auch nein sagen kann."

Das jetzige Verhältnis zu seinem Sohn interessierte die Schüler am Ende des Vortrags besonders. "Wir haben ein tolles Verhältnis, und darüber bin ich sehr glücklich." Der Beweis: Sein Sohn hat sich vor Jahren ein Datum auf der Brust tätowieren lassen: "Der 1. Januar 2005." Der Tag, als sein Vater Frank Milbich neu geboren wurde.

(Dieser Artikel und das Bild werden veröffenlicht mit Genehmigung der Rhein-Neckar-Zeitung)

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