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Nicht alles am Computerspiel ist schlecht - 

Vortrag „Faszination Videospiel“ am ASG Neckarbischofsheim

Von Berthold Jürriens

Neckarbischofsheim. (bju) „Begleiten statt belehren.“ Es war vielleicht der wichtigste Satz an diesem Vortragsabend am Adolf-Schmitthenner-Gymnasium, den Sebastian Pflüger von der Computerspielschule Karlsruhe den Eltern und Kindern mit auf dem Weg gab. Doch andere Aussagen zum Thema „Faszination Videospiel“ ließen einige nachdenkliche Mütter und Väter zurück. Auch weil sie eventuell eine andere Erwartungshaltung zu den Ausführungen überComputer- und Konsolenspiele hatten. Denn es ging nicht um die negative Beeinflussung durch dieses Medium, nicht um Zunahme von Aggressivität oder der Verlust sozialer Kontakte. Nein, Pflüger ist ausgebildeter Heimerzieher und selbst „Gamer“. Er leitet die Computerspielschule, wo Eltern, Großeltern und Kinder gemeinsam die Welt der Spiele entdecken können. Seine Projektgruppe von Kindern erklärt Erwachsenen die „Gamingwelt“ oder sie besucht ältere Menschen in Seniorenheimen, um ihnen die Computerwelt näher zu bringen. Dass das Leben ihrer Kinder für viele Eltern hinter einer Tür mit sieben Siegeln stattfindet, wurde bei Fragen und Kommentaren der Erwachsenen deutlich. Konflikte, Ärger und Ängste könnten vermieden werden, wenn Eltern grundsätzlich wissen wie die Spiele funktionieren, meinte Pflüger. „Fragen sie die Experten, ihre Kinder. Treten sie im Dialog mit ihnen.“ Oft gehe es um die Zeit, die Kinder und Jugendliche ins Spielen investierten. „Es ist, als ob sie ein spannendes Buch haben, in dem man nur noch ein Kapitel lesen möchten und es dann in einem `Flow-Zustand` zu Ende lesen“, wirbt er für Verständnis. Über die Spieldauer sollte man sich vorher einigen und somit einen Streit vermeiden. Außerdem können Videospiele Kompetenzen von Jugendlichen fördern und stärken das Gemeinschaftsgefühl, weil man zum Beispiel oft gemeinsam Strategien entwickeln müsste. Als Beispiel brachte er einen selbstgemachten Film vom 13jährigen Benni mit, der beim Spiel „Minecraft“ an 62. Stelle von rund 150.000 Spielern steht und somit hier positive Gefühle durch Erfolgserlebnisse verknüpft. Während Benni in der realen Welt nur wenige Freunde habe, sei er online mit sehr vielen Freunden in Kontakt, „sogar auf Englisch“. Ob das aber wirklich der früheren „Brieffreundschaft“ gleich kommt, wie der Referent meinte, bezweifelten doch einige Anwesenden. Als das Stichwort „Sucht“ aus dem Publikum fällt, wird Pflüger deutlich, auch um den Eltern die Sorgen zu nehmen. „Ihre Kinder sind nicht süchtig. Süchtig sind die 20- bis Ende 30-jährigen, die aufgrund mangelnder beruflicher Perspektive nach dem zweiten Studienabbruch in diese virtuelle Welt ganztägig fliehen. Weg von den Problemen der realen Welt.“ Pflüger zeigte auch, was an den vielen Arten des Videospiels so faszinierend sein könne und wie die „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“ (USK) die Spiel altersgerecht bewertet. Dabei durften die anwesenden Eltern und Kindern anschließend das Videospiel „Battleborn“ nach einer Filmsequenz bewerten. „Die USK Bewertung ist keine pädagogische Einschätzung“, erinnerte Pflüger an die Altersbegrenzung. Das Herunterladen von Online-Spielen und -Apps aus dem Internet, die durch das „International Age Rating Coalition“ (IARC) eine Alterskennzeichnung erhalten, habe aber seine Tücken. Trotz Skepsis gegenüber Computerspielen, so Pflüger, sollte man die neuen Medien und ihre Möglichkeiten sehen und mit den Kindern über diese offen reden. Lehrerin Randy Eichin bedankte sich am Ende für den Vortrag, der erst durch Unterstützung der Sparkasse-Kraichgau-Stiftung möglich geworden sei.

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