Bildschirmfoto 2019 05 18 um 19.29.22 

Eine Theatershow mit Aliens, Faust und Sprachlosigkeit

Nachwuchskünstler am ASG Neckarbischofsheim zeigten ihr Bühnentalent

 Von Berthold Jürriens

Neckarbischofsheim.(bju) Es muss für außerirdische Lebewesen wirklich ein komischer Anblick sein, wenn die „Erdlinge“ konzentriert auf ihre Smartphones schauen. Alle. Stundenlang. Genauso sonderbar wirkt das Versenden eines „kotzenden Emojis“ auf das Trio mit den bunten Perücken vom Planeten Sigma. Pause. Es folgt ein „Faust“ mit einem Kater anstatt mit einem Pudels Kern. Mephisto trägt Lederjacken und ist weiblich, was sonst. Und,  „Großer Gott wir loben dich“ passt zur Gretchen-Frage. Kurze Umbaupause. Embryonenartig winden sich anschließend Darsteller aus ihren Hüllen, sphärische Klänge hört man und „Füms böwö täh“ erklingt aus ihren Mündern. Eine Trillerpfeife startet und das Leben auf der Bühne nimmt seinen Lauf. Es geht um Begegnungen, Wiederbegegnungen und ein gegenseitiges Finden.

Es war ein Theaterabend, der es in sich hatte. Denn selten bekommt man die Vielfalt dieser Kunstform an einem einzigen Abend in dieser Fülle präsentiert, wie es die jungen Nachwuchskünstler des Adolf-Schmitthenner-Gymnasiums in der Aula auf der Bühne zeigten.

„DaDa meets Faust“, so der Titel der Theatershow, die mit drei ganz unterschiedlichen Aufführungen das Publikum begeisterte und auch die Qualität der Technik-AG untermauerte. Die Sechst- und Siebtklässler der Theater-AG unter der Leitung von Marc Kövi hielten mit dem Stück „Vermutlich harmlos“ den Zuschauern ein Spiegelbild hin. Wie leben die Menschen auf der Erde, fragen sich Gamma, Beta und Alpha und untersuchen das „komische Verhalten“ in Fitnessstudios, an der Haltestelle, oder in der Familie selbst. „Zalando“ scheint wichtig zu sein und „der Feind heißt Fett“. Hilfsbereitschaft ist dennoch da, als technische Mängel an ihrem Raumschiff auftauchen, die die Rückkehr fast unmöglich macht. Die Menschheit ist noch nicht verloren. Das junge Ensemble spielte wie aus einem Guss und bekam viel Beifall.

Mit „Fast Faust“ hatten die Schüler des Literatur- und Theaterkurses des aktuellen Abi-Jahrgangs einen Klassiker ausgewählt, der an diesem Abend so manch neuen Aspekt offenbarte. Dabei schlüpften gleich ein Dutzend Nachwuchskünstler in fast 20 verschiedene Rollen. Somit gelang die Verwandlung des zweifelnden und scheinbar dem Alkohol zugewandten Faust in einem dynamischen Jüngling auch optisch einwandfrei. Vor allem die Mephisto-Riege hatte sichtlich Spaß an ihren Auftritt als Verführerinnen. Ein kompakter Faust, der dennoch zeitlos bleibt und den die Schüler mit viel Schwung inszenierten.

Franziska Tendel und Siggi Püschel hatten sich dieses Mal einer Körpertheaterproduktion vorgenommen, bei dem die Theater-AG erneut Unterstützung vom Musiker Holly Holleber erhielt. „Füms böwö täh“, so der sperrige Titel, der die erste Zeile eines Lautgedichtes von Kurt Schwitters ist, welches in der Epoche des Dadaismus nach dem ersten Weltkrieg den Zusammenbruch Europas sprachlich verdeutlichte. Glücklicherweise war die Aufführung nicht so sperrig, wie der Titel klang. Mit wenigen Lauten, aber ausdrucksvollen Körperbewegungen sowie Mimik erschufen die Schüler eine spürbare Spannung, die die Erwartungen der Zuschauer auf die Probe stellte. Soziale Themen und das gesellschaftliche Leben finden ihren Platz mit scheinbar zig verschiedenen Charakteren. Der Körper wird zur Stimme und die Sprache scheint das Wort zu suchen, das auf der Bühne nicht existiert. Sicher nicht ganz so verrückt wie Dada, aber mindestens so real wie das Leben. Eine starke Leistung der jungen Laiendarsteller, das den langen Beifall.

Zusätzliche Informationen