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Besuch vom Landtagsabgeordneten Hermino Katzenstein

 

Wie funktioniert Landespolitik? Welche Arbeit erwartet einen Landtagsabgeordneten und welche Funktion haben die verschiedenen Ausschüsse im Stuttgarter Parlament?

Darüber berichtete Hermino Katzenstein (Bündnis 90/Die Grünen) hautnah den Zehntklässlern des Adolf-Schmitthenner-Gymnasiums, der anschließend auch zu den Schülerfragen bei den Themen AFD, Diesel-Skandal oder die Legalisierung von bestimmten Drogen Farbe bekennen musste.

Der 50jährige Neckargemünder, der gebürtig aus der heimlichen deutschen Fahrradhauptstadt Münster kommt, referierte locker und unterhaltsam über seine Arbeit, die ihm aufgrund der Vielfalt der Begegnungen und Themen sehr viel Spaß machen würde.

„Auch wenn ich weiß, dass manche Entscheidungen oft länger dauern.“ Als Mitglied im Verkehrs- und im Petitionsausschuss habe er es vor allem mit dem öffentlichen Personennahverkehr zu tun, für den er sich gerade im ländlichen Raum stark engagieren würde. Dazu gehöre auch die Krebsbachtalbahn, für die er sich persönlich stark machen würde. Begeistert sei er vom Petitionsrecht, das scheinbar unter den Schülern nicht so bekannt ist. „Es ist ein Recht, das allen zusteht. Jedermann, der sich durch Entscheidungen von Ämtern und Behörden benachteiligt fühlt, kann sich mit seiner Petition, also seinem Anliegen, an den Landtag wenden.“ 1000 solcher Petitionen landen jährlich in seinem Ausschuss.

Drei Mal in der Woche sei der studierte Physiker in Stuttgart und regelmäßig in seinem Wahlkreis unterwegs. Im Gespräch mit den Schülern zeigten diese sich bestens vorbereitet und konfrontierten Katzenstein mit der „Auto-Lobby“ und den „Kreuzfahrt- und Containerschiffen“ zum Diesel-Skandal. Der Landtagsabgeordnete stimmte teilweise der Kritik zu, sprach von einer „starken Autoindustrie“, wo leider viel ausgesessen werde. „Auch die Deutsche Bahn müsste für den Güterverkehr mehr tun.“ Dennoch seien Fahrverbote aufgrund Feinstaub und Stickoxide wichtige Signale, so der passionierte Radfahrer. Auch sei er ein Befürworter erneuerbarer Energien, „wenn auch nicht um jeden Preis.“

„Mit der AFD ist es kaum auszuhalten“, sagte Katzenstein unverblümt auf eine Nachfrage und erzählt von Beleidigungen und politischer Arroganz, die ihn als „Parlamentarier, Demokrat und Europäer“ gänzlich fremd sind.

Die Antwort auf die Frage nach Legalisierung von Cannabis war für ihn auch eindeutig. „Kiffen macht blöd“, sagte Katzenstein, der eine tragische Geschichte aus seinem Freundeskreis im Umgang mit den Drogen erzählte. Dennoch sei für ihn eine kontrollierte Abgabe ab einem Alter von 20 bis 21 Jahren vorstellbar.

Auch die Klima-Bewegung „Fridays for Future“ wurde an diesem Freitagvormittag angesprochen. „Ich finde es sehr gut, wenn sich junge Leute engagieren.“ Ob das unbedingt zur Schulzeit sein müsste, sei eine andere Frage. Zuvor hatte er bereits mit ASG-Schulleiter Harald Frommknecht und Lehrerin Daniela Emrich über die Protestaktion und der gleichzeitigen Schulpflicht gesprochen.

von Berthold Jürriens

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