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Jeselsohn-Gedenkstein soll folgen

Festakt nach der Stolpersteinverlegung mit großer Resonanz

aus der Rhein-Neckar-Zeitung, von Berthold Jürriens

Neckarbischofsheim. (bju) In einem waren sich alle Redner in dem kleinen Festakt einig: Die Verlegung der ersten 15 Stolpersteine durch den Künstler Gunter Demnig ist eine wichtige Erinnerungsarbeit, die aber in Neckarbischofsheim erst begonnen hat (die RNZ berichtete).

Untermauert wurde dies durch das Verlesen von 63 Namen ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger, die Opfer des Holocaust geworden sind. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie Ehrengäste, darunter auch Demnig selbst, hatten sich in der Zehntscheune eingefunden, informierten sich an Schautafeln über die Biografien jüdischer Familien und lobten bei Kaffee und Häppchen die gelungene Umsetzung des Projekts. Dessen Startschuss fiel 2012 im Büro von Schulleiter Harald Frommknecht im Adolf-Schmitthenner-Gymnasium. „Auch die Schulung des Gewissens gehört zu unseren pädagogischen Aufgaben“, gab Frommknecht zu. Jugendliche des ASG und der Realschule Waibstadt hatten das Projekt gemeinsam mit dem örtlichen Verein für Heimatpflege, der SPD-Ortsgruppe und dem Waibstadter Verein Jüdisches Kulturerbe im Kraichgau e.V. ins Rollen gebracht. Marion Guttman, Leiterin der Projektgruppe „Judentum im Kraichgau“, sprach von einem „außerordentlichem gesellschaftlichen Engagement“ der Schüler. Bürgermeisterin Tanja Grether zeigte sich in diesem Zusammenhang beeindruckt von dem Wunsch der jüdischen Familie Jeselsohn, die vor kurzem mit 23 Familienmitgliedern ihr „Bischesse“ besucht hatten (die RNZ berichtete). „Die Enkelkinder von Samuel Jeselsohn würden sich über Stolpersteine für ihre Großeltern sehr freuen.“ Aufgrund von Absagen der Hauseigentümer sowie weiteren Termineinhaltungen konnten für die Jeselsohns vorerst keine Gedenksteine verlegt werden. Gerade im Gespräch mit der Familie sei Grether deutlich geworden, dass das alles Bürger von Neckarbischofsheim hätten sein können, wenn die grausame Nazi-Herrschaft nicht gewesen wäre. Walter Zeller vom Heimatverein blickte auf das rege jüdische Leben im Ort zurück, zitierte aus historischen Dokumenten, berichtete von emotionalen Zeitzeugenbefragungen und könne es immer noch nicht fassen, dass diese Gräueltaten vor den Augen aller anderen Mitbürger geschehen konnten. Für ihn sei die Verlegung weiterer Stolpersteine wie für „die Blochs, die Franks oder Jeselsohns“ ein wichtiges Ziel für die Zukunft. 

Musikalisch umrahmten Schüler der 10b der Realschule den Festakt mit jüdischen Melodien und einem Klaviersolo. Die Wichtigkeit der Erinnerung an diese Schreckenszeit zeigte sich bereits am Vortag bei der Gedenkveranstaltung zum 79. Jahrestag der Reichspogromnacht am Platz der ehemaligen Synagoge. Fast 60 Neckarbischofsheimer hatten an der vom Heimatverein und dem SPD – Ortsverein organisierten Gedenkstunde teilgenommen, zu der neben Kirchenvertreter auch Bundestagsabgeordneter Lars Castellucci eine Ansprache hielt. Im Mittelpunkt stand dieses Mal die Biografie von David Jacobsohn, für den in der Alexandergasse ein Stolperstein verlegt worden war.

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